Die Eukarier

„Schneller, duck dich. Jetzt ein ausladender Hieb und…“ Krawumms. Du liegst am Boden und über dir der Gegner, den du dachtest schon getötet zu haben. Du siehst, wie sich sein Schwert in Richtung deiner Brust bewegt, doch plötzlich lässt er von dir ab. Sofort springst du auf die Beine, um ihm den finalen Stoß zu geben. Doch als du dich einen Wimpernschlag später schon wieder auf dem Boden liegend findest, flüstert eine Stimme über dir: „Leben und leben lassen!“

Das Aussehen

Oft siehst du sie gar nicht, wenn du durch den Wald gehst, obwohl sie vielleicht genau neben dir stehen. Trotz ihrer humanoiden Gestalt, ähnelt ihre Haut einer Rinde und an den Gliedern finden sich gelegentlich Blätter und kleine Äste. Anstatt von Haaren bilden Blätter die Frisur. Zudem ist es ihnen möglich, sich der Umgebung anzupassen – ähnlich einem Chamäleon. So können sie sich, wenn sie wollen, an den nächsten Baum stellen und die Farben und Strukturen der Rinde annehmen (s. Besondere Fertigkeiten). Eukarier erreichen eine Körpergröße zwischen 185 und 200 cm und wiegen aufgrund des eher schlanken Körperbaus etwa Körpergröße-110 kg. Jedoch lassen sich die Eukarier nach den Regionen Thêl Bors unterscheiden:

Die Eukarier Ytaniens sind überwiegend schlanker und größer als ihre Genossen anderer Region. Sie gleichen eher Tannen als Laubbäumen. Ihre Haare besitzen ein dunkleres Grün und nehmen im Herbst nur noch selten eine andere Farbe an. Îrithrische Eukarier sind meist hellhäutiger und man ist versucht, diese mit Birken oder Buchen zu vergleichen.

Und dann sind da noch die aus Esra stammenden Eukarier zu nennen, die zwar als solches keine weiteren besonderen körperlichen Merkmale aufweisen, sich jedoch kulturell erheblich von den anderen unterscheiden. Insbesondere die kulturellen Ritzungen ihrer Haut, den Ziernarben, sind ein Merkmal der Esratischen Eukarier. Auf Orlass und den Gartellen finden sich keine eigenständigen Formen der Eukarier. Dort scheinen sich alle Urtypen vermischt zu haben. Entsprechend groß ist die Vielfalt. Man vermutet, dass es ursprünglich keine Eukarier auf diesen Kontinenten gab, aber sie im Laufe der Zeit aus allen anderen Gebieten eingewandert sind.

Ein Eukarier wird erstaunlicher Weise im Durchschnitt 90 Jahre alt. Komisch wenn man bedenkt, wie sehr sie mit der Natur verbunden sind…

Die Gemeinschaft

Auch wenn es viele Eukarier inzwischen in die Städte getrieben hat, so liegt ihr Ursprung in den tiefen Wäldern Thêl Bors. Dort lebten sie in größeren Ansiedlungen mehrerer Kleinfamilien zusammen. Solche Ansiedlungen werden Biscdu („Bischdu“ ausgesprochen) genannt. Biscdu von bis zu 100 Eukariern sind die Regel, darüber hinaus sind vereinzelte Siedlungen mit bis zu 1.000 Eukariern bekannt. Auch heute sind bewohnte Ansiedlungen in den Wäldern zu finden.

Ihre Häuser sind immer mit Bedacht auf die Natur gebaut, so dass kein Baum dafür gefällt wird. Stattdessen werden ihre Gebäude und Wohnstätten zwischen den Bäumen oder um einen Baum herum errichtet. Oft ist mittig der Ansiedlung ein herausragender, präsenter und ausgehöhlter Baum zu finden, in dem die Eukarier ihre Feiern, Versammlungen oder einfach Zusammenkünfte veranstalten. Dieser eine Baum ist unter den Eukariern als „Sabdu“ bekannt.

Im Sabdu wird auch der Älteste des Biscdu gewählt. Dieser muss mindestens 50 Sommer erlebt haben, damit er genug Lebenserfahrung hat. Der oder die Älteste ist zu vergleichen mit dem Bürgermeister eines Dorfes und ist zugleich Ansprechpartner für alle Probleme und zu diskutierenden Ideen, Streitigkeiten oder Ähnlichem. Ein Ältester behält das Amt sein ganzes Leben lang. Alle Ältesten einer Region treffen sich regelmäßig zum Ältestenrat. Dort werden die aktuellen Themen besprochen und ein einvernehmliches Vorgehen verhandelt. So eine Vereinbarung muss einstimmig getroffen werden. Du kannst dir also vorstellen, dass lange diskutiert wird, bis ein Ergebnis erreicht wird. Daher dauert so ein Treffen oft mehrere Tage und wenn es um sehr wichtige Situationen wie zum Beispiel Krieg geht, auch mal mehr als eine Woche! Nach dem Tod werden Eukarier bei einer großen Zeremonie verbrannt und die Asche wird tief im Wald zerstreut.

Außerhalb der behüteten Welt ihres Biscdu gehen die Eukarier meist handwerklichen Berufen nach oder sie verdingen sich als Scouts ihren Tagelohn. Zudem werden sie im Kriegsfall als Späher überaus erfolgreich eingesetzt. Nicht wenige haben sich auch als Bauern und Viehzüchter rund um die Städte niedergelassen und versorgen die Städter so mit den notwenigen Lebensmitteln.

Sprache

Die Eukarier sprechen unter sich ihre eigene rassenspezifische Sprache, das E-ruktam, welches allgemein aber Eukarisch genannt wird. Eukarisch klingt in den Ohren Fremder wie ein Rascheln und Rumpeln, ohne viele Tonanhebungen und ist daher sehr schwer zu erlernen. Für ungeübte Wanderer ist Eukarisch nur schwer von den üblichen Grundrauschen eines Waldes zu unterscheiden. Das Eukarisch hat unzählige Dialekte, die sich an dem jeweiligen Klang der Wälder der Herkunftsregion orientieren. So klingt Eukarisch aus den Tannenwäldern rauschiger und dunkler als das aus einem Laubwald.

Die Schrift der Eukarier besteht aus Runenzeichen, wobei eine Rune einem Wort oder auch ganzen Satzteilen entsprechen kann. Zeitformen werden durch spezielle Kennzeichnungen der Runen verfasst. Insgesamt sind über 3.500 Runen bekannt.

Glauben

Die Eukarier sind in der überwiegenden Mehrheit Anhänger des Gottespaares Wadur und Isa. In Ihrem Glauben sind die Werte zur Wahrung der Geschöpfe und der Natur stark verwurzelt. Das Töten von Tieren und Pflanzen unterliegt strengen Regeln und bedarf einem anschließenden Ritual für die entkörperten Seelen, welche ihrer Ansicht nach in allen Leben innewohnt.

Ein bekanntes Sprichwort unter den Eukariern ist: „Leben und leben lassen“. Vielerorts gilt es daher als ehrenhaft auch im Kampf einen Gegner am Leben zu lassen. Allerdings unter der Bedingung, dass der Gegner einen selber auch seinen Weg weitergehen lässt – nun, auch ein Eukarier möchte gerne selbst am Leben bleiben. Viele Eukarier sehen aus ihrem Glauben und ihrer starken Verbindung zur Natur auch das Verhindern der Verschmutzung und Zerstörung als eine Pflicht. So sollte sich demnach jeder, welcher sich in der Nähe eines Eukarier befindet, auf eine Abreibung plus dazugehöriger Predigt gefasst machen, wenn er sich an der Natur oder einem Lebewesen vergreift.

Im Kampf

Als Hauptwaffe im Fernkampf benutzen Eukarier zumeist einen Langbogen oder eine Stabschleuder. Im Nahkampf setzen sie zumeist auf ihren Kampfstab, verwenden ein aus besonderem Stein gewetztes Messer oder vertrauen auf ihre wahrhaft guten Fähigkeiten im waffenlosen Kampf.

Zudem sieht man sich als Kampfgegner eines Eukariers einer weiteren Bedrohung ausgesetzt: Ihrem Vertrauten. Dieser Vertraute ist zumeist ein Tier, welches der Eukarier an sich binden konnte. Dies geschieht durch den Zauber „Bindung des Vertrauten“, welcher den Eukariern vorbehalten ist. Gelingt dieser Zauber, sollte sich ein Eukarier so lange aufmerksam um seinen neuen Begleiter kümmern, bis er diesen vollkommen kontrollieren kann. Ab diesem Zeitpunkt ist es dann dem Eukarier möglich, mit seinem Tier eine geistige Verbindung aufzubauen und somit mit diesem ein, wenn auch dem Intellekt des Tieres entsprechend, einfaches Gespräch zu führen. Ebenso ist es dem Eukarier möglich, seinem Begleiter einen einfachen Auftrag zu erteilen, soweit es die Intelligenz des Tieres zulässt. Bei Verlust der Verbindung, was eigentlich nur durch den Tod des Tieres passieren kann, verfällt der Eukarier in einen Trauerzustand, welcher ihn für die Zeit von 1W20 Tagen handlungsunfähig macht.

Besondere Fertigkeiten

Tarnen +3

Eukarier können jede Form von Pflanzen annehmen, die zumindest ihrer Körpergröße und ihrem -umfang entsprechen. Eine fast zwei Meter große Butterblume fiele dann ja auch irgendwie auf, oder? Ihre Fähigkeit zur Tarnung ist auf pflanzliche Objekte beschränkt. Metalleffekte, tote Materie wie Sand und Stein sowie Lebewesen können die Eukarier nicht nachahmen. Zudem ist es sehr imposant anzusehen, wie sich die normalerweise grüne Haarfarbe ändert, wenn im Herbst sich die Blätter auf ihrem Haupt rot und braun verfärben.

Rindenhaut (natürliches Schild +2)

Die Haut eines Eukarier ist extrem widerstandsfähig gegen äußere Einwirkungen, ohne dabei an Elastizität einzubüßen. Sie schützt einen Eukarier wie ein Schild auf +2. Da es sich um eine natürliche Eigenschaft handelt, kann sie nicht gesteigert werden. Temporäre Schutzzauber hingegen wirken sich auch auf Eukarier aus.

Zauber

Eukarier beherrschen die drei für ihre Vertrauten notwendigen Zaubersprüche, die sie schon in Kindesalter von ihren Eltern beigebracht bekommen.